Work Station

It strikes me that I can’t write without a desk, or at least a level surface under which I can fit my legs.  I realise this as I’m lying on my back on a mattress on the floor, head propped up by two pillows, blind drawn against the late-autumn sun; and my lower-back, or more precisely, that huge, abused muscle in my arse, is killing me. That’s what waitressing does to the body, when the body is no longer young. (I am trying to read a novel, but my arms are aching from holding the book at a distance that keeps the print in focus.) 

If I buy a desk, I’ll also need to buy a chair; and this realisation is daunting so soon after I’ve just pledged to live a year under my new Frugality Project rules; a project I devised while inactive and bored.  And, immediately I have to decide whether I waste time sourcing a second-hand desk, or just do what everyone else does, and drive to Ikea.  Rule One of my self-imposed Frugality Project: only buy what is absolutely necessary.  It is part of my attempt to disavow all that I hate about Neoliberalism and consumerism.  I am positioning myself as a conscientious objector of the society I find myself in.  I am also struggling to determine the definition of necessary.

The Ikea dilemma, however, is enough to quell my sudden and unexpected enthusiasm to begin writing again.  Writing, the thing that absorbs and entertains me, and terrifies me in my current, enervated state, where just getting out of bed (or rolling off the mattress onto the floor) each morning feels like a miracle. 

As it is, I can barely bring myself to open the lid of my laptop and switch it on. Finding the power cable and plugging it in is enough to cause my resolve to falter further.  Linking the data on my mobile phone to my computer (I don’t have WiFi) comes dangerously close to breaking my spirit. Perhaps I’m not the committed writer I believed I was. 

So, do I take the plunge? Do I buy a cheap table and chair, and attempt to follow the flat-pack instructions; try to create a space that is conducive to writing? 

Would it work? Or, would it mock me daily with my failed ambitions and inability to sit down and concentrate? 

Of course, the home office is trending, due to Covid.  And, tables and chairs are not easily available, due to Brexit.  And, I feel a bit of a fraud, because I don’t work at home; I work in hospitality, as a Food and Beverage Assistant, responding to the demands of needy customers who – since Brexit and Covid – seek pleasure in a cappuccino made with a dairy alternative and an unpleasant synthetic syrup added, or a deluxe hot chocolate with marshmallows and aerosol cream.  

But I can’t write on the floor.  I am becoming inflexible.  And, I need to create an imaginary space in which I can breathe again. 

Lockdown I

Der Nachbar vom Nebenhaus ist im Homeoffice, seine Stimme hallt durch die Wand. Videocalls, Telefonate, Räuspern. Ich höre ihn jeden Tag, kann einzelne Wörter verstehen, versuche wegzuhören, das Reden zu ignorieren. Draußen auf der Straße erkennen wir uns nicht, grüßen wir uns nicht. Ich kenne seine Stimme, aber er ist mir fremd. Die Nachbarin von oben duscht. Ich höre ihre Schritte. Das Wasser gurgelt in den Rohren. Wir sagen freundlich Hallo, wenn wir uns sehen und wechseln sonst kein Wort. Seit 15 Jahren nun schon fast. Der Nachbar drunter ist seit Wochen weg. Er, der sonst immer da ist, Tag und Nacht. Welch eine Erleichterung ohne ihn und seine empfindlichen Ohren. Er leidet an uns und vermutlich am Leben, an der Welt. Ab und zu geht jemand durchs Treppenhaus. Hochlaufen, runterlaufen. Schlüssel in der Türe. In der Wohnung nur das Summen des Kühlschranks. Das Klicken der Tasten. Draußen fällt leise der Schnee.

The Lake

The surface changes with the weather; the perspective it offers, too. Sometimes it is a mirror, reflecting the open skies, and the hedgerows and woodland that line the old quarry bank. The clouds and trees set deep in the water. Upside down.

The mirrored heavens speak of another world – a heart beat away yet tantalisingly palpable. The spiritual embedded in the material. It’s a world my soul seeks but struggles to arrive in. Instead, I can only observe without emotion.

A duck dives down and disappears. I watch, breath held, waiting for her return. I try to guess where she will resurface. Way out: I am always – pitifully – wrong.

Other times, the ripples caused by the breeze disrupt this uncanny inverted view. The depth and fluidity, the potential of something other, is gone. The water is roughly chopped into blocks of colour, but impenetrable. The mundane: it is still sometimes pretty, but without that (much-desired) possibility for something more profound. Something beyond.

Der Faden

Den Faden wieder aufzunehmen, ist manchmal gar nicht so leicht. Im Kopf sind so viele Geschichten, die es nie auf das Papier schaffen. Wie old-fashioned, das klingt, wer benutzt denn heute noch Papier. Die Realität ist wenig poetisch: die Datei, der Rechner, das Internet. Genauso wenig poetisch die Momente, in denen sich all die Perlen im Kopf zu Erzählungen, Pamphleten, Gedichten, Geschichten fädeln. Beim Spülen, unter der Dusche, beim Genervtsein von sich und der Welt. Beim Versuch, sie herauszuholen, in die Datei zu tippen, reißt der Faden und die Worte springen auseinander. Fallen auf den Boden, in die Ritzen, rollen unter den Schrank, wo man sie nie wiederfindet. Es ist mühsam, sie einzeln wieder aufzulesen. Der Faden ist spröde, die Enden verdickt, es braucht viel Spucke, um die Perlen wieder durchzuziehen und die Worte zu formieren. Oder einen neuen Faden, mit dem die Geschichte wieder Fahrt aufnehmen kann.


Irgendwann begann sie, ihre Bilder aufzuhängen. Sie spannte eine Schnur, eineinhalb Meter lang, und befestigte diese mit zwei Nägeln an der Wand. In einer Schublade fand sie kleine bunte Wäscheklammern, die sie eigentlich ihrer Nichte schenken wollte. Aber was sollte diese damit anfangen? Puppenkleider aufhängen? Sie konnte sich bessere Beschäftigungen vorstellen. Also nahm sie die Klammern und hängte ein Bild nach dem anderen damit auf. Der Platz reichte nicht aus, so dass sie eine weitere Schnur darunter spannte und an dieser die restlichen Bilder befestigte. Es war das erste Mal, dass sie ihre Bilder ausstellte, wenn auch nur in ihrem Zimmer, für sich und die wenigen, die den Raum betraten. Sie hingen da und sie freute sich darüber. Auch das war das erste Mal: Dass sie sich einfach freute und nicht im Inneren an den tausend Punkten herumkrittelte, an denen sie nicht perfekt waren. Natürlich waren nicht perfekt, sie waren gekritzelt, geschmiert, gekrakelt, aber das war egal. Sie hingen da und sie freute sich. Von Zeit zu Zeit nahm sie die Bilder ab und verstaute sie in einer alten Holzkiste und wartete, bis sich eine neue Ausstellung formierte. Manchmal rasend schnell und bunt. Manchmal blieb die Wand wochenlang leer und weiß, bis auf die leuchtenden Wäscheklammern. Aber irgendwann kam sie wieder, die Ausstellung für sich selbst.


He had a lot of lists or, rather, Post-It notes, on which he had bullet-pointed numerous and various things. They were stuck to his bedroom wall. Just to the right of the chest of drawers. At eye-level (he was 6 foot 2 inches) so he might never overlook – never forget – what he knew was important to him.

Things he aspired to.
Things he did not.
Things that made he happy (his favourite things).
Things he might regret.
Attributes of the ideal girlfriend.

The last one, the latest one, troubled him greatly. He knew what he wanted from a girlfriend, but had been shocked recently to discover those characteristics in a woman he would never have considered suitable or appropriate. She was, for a start, far too old. She was by no means ugly. It was only that she belonged to a generation that for him should be invisible. Women of her age should not be compatible. They were teachers or mentors or friends of his parents.

A woman to be politely endured.

He took another Post-It note and made a list of the things they had in common. It was surprisingly long.


Es war ihr ein Rätsel, wie die Tage vergingen, Wie schnell, wie bedeutungslos. Jeden Morgen versuchte sie auf ein Neues, ihnen eine Struktur zu geben. Sie schrieb to-do-Listen, nice-to-do-Listen, done-Listen, Einkaufslisten. Alleine, um etwas abhaken zu können, um das Gefühl zu bekommen, sie habe etwas getan. Sie notierte jeden Morgen ihre Gedanken. Notierte, was sie am Tag zuvor getan hatte – und was es am heutigen Tag zu tun gebe. Sie war beschäftigt und hielt sich beschäftigt, die ganze Zeit. Es gab immer etwas zu tun. Sortieren, putzen, einkaufen, aufräumen, gießen, umtopfen, organisieren, entrümpeln, vorlesen, kochen, zuhören, spielen, bauen, telefonieren. Am Abend wusste sie oft nicht mehr, was sie eigentlich getan hatte. Sie schaute auf den Tag zurück und versuchte sich zu erinnern. Sie wunderte sich, dass die paar Punkte, die sie abhakte, den ganzen Tag füllen konnten. Und sie wunderte sich, dass immer etwas übrig blieb. Dass sie nie fertig wurde, nie das Gefühl hatte, etwas geschafft zu haben.

Natürlich wusste sie, woran es lag. Das Wundern war nur ein Ritual, um sich abzulenken, weiterzumachen, nicht innezuhalten. Diese fucking to-dos kamen einfach immer wieder, sie waren nicht zu schaffen, nicht aus der Welt zu schaffen. Es waren die Dinge auf der anderen Liste, die ihr die Befriedigung verschafft hätten, nach der sie sich sehnte. Zeichnen, schreiben, werken, lesen, spazieren, träumen. Bilder, Texte, Werke, Ideen, Träume. Es war irrig zu glauben, sie käme zu diesen, wenn sie erst alle to-dos geschafft hätte. Sie wusste das, natürlich, und trotzdem legte sie Tag für Tag ihre to-do-Liste oben auf den Stapel und wunderte sich am Abend, das die Tage so schnell vergingen. So schnell und bedeutungslos.


Well, it’s easy she said. We just need a map.

And she waited, as if expecting a round of applause; at least an affirmative nod of the head.

But there was none. There was no one around. There was no one to clap her, or pat her on the back. No one to say, my God you are right. No one to challenge her or say, don’t be a fool. No one to witness what she thought said or did.

It had its advantages and disadvantages. Right now, she was glad she lived alone.

She pressed her face against the window and looked down upon the street. The low, bright sun sent shadows across the pot-holed, buckled tarmac: long-limbed branches, fingering the cracks. When she stepped backed she could see where her face had smeared the glass, and the condensation caught between the double-glazing. Whatever the weather or temperature, it seemed never to evaporate. Small pearls of liquid, like beads of sweat on skin. They distorted her view of the world outside. It looked warm out there, but she knew the wind was cold.

A map, she said to herself as she stood before the mirror, while registering that her face was flabby, soft at the edges, strangely out-of-focus, unflatteringly blurred.

A map: she knew she had some somewhere in a box, souvenirs of places she had been. But, if truth were told, she couldn’t read maps. Her sense of direction was notoriously poor. When she travelled with others she let them navigate. When she journeyed alone her path was endlessly improvised.

Maps are like recipes, she thought out loud: inspiring in their way, but tedious to follow.


„Can we get out of the desert in the next few weeks?“, fragt die Freundin. Sie ist mit dem Schreiben an der Reihe und eigentlich ist es eine gute Zeit zum Schreiben. Da sie nun ohnehin zu Hause sitzt, nichts zu tun hat, nicht hinaus muss, keinen relevanten Job erfüllen muss. Sie hat es gemütlich, ist privilegiert genug, diesen Zustand genießen zu können. Dieser Zustand, der sie von sozialen Verpflichtungen befreit, vom Nachdenken darüber, wie es weitergehen könnte. Der alles stiller werden lässt, still stehen lässt in ihrer kleinen Welt. Der die Illusion gelingen lässt, die Welt hielte inne und suche nach einer besseren Version ihrer selbst. Der es zulässt, dass sie das Außen stundenlang vergisst, sich im Klein-Klein ihres Alltags bewegt. Als wäre alles weit weg, als hätte das alles nichts mit ihr zu tun. Sie denkt den heimlichen Gedanken, es möge doch noch ein Weilchen so weitergehen, dieser lasst-mich-doch-alle-in-Ruhe-Modus. Es ist genug von allem da. Essen, Platz, Zeit. Sie kann sich zurücklehnen und sich in ihre kleinen Probleme vertiefen.

Von Zeit zu Zeit bricht das Außen in ihre Welt herein, mit den Nachrichten aus aller Welt, die so skurril im Kontrast zu ihrem Leben wirken, dem penetranten Sonnenschein, den zahlreichen Spazierenden im Wald, ihrem eingespielten Alltag im Ausnahmezustand. Es sickert hinein in ihre Gedanken, die Bilder, wie aus dystopischen Science Fiction Filmen, legen sich über die Behaglichkeit. Sie rafft sich auf und beginnt zu schreiben. Es ist kein Weg aus der Wüste.